Jülich im zweiten Weltkrieg

Operation Queen war eine gemeinsame britisch-amerikanische Unternehmung während des Zweiten Weltkrieges im Rahmen der Kämpfe zwischen Aachen und der Rur im November 1944.

Nach der alliierten Landung in der Normandie im Juni 1944 hatten Amerikaner und Briten die Deutschen nach heftigen Kämpfen aus Frankreich  vertrieben und begannen nun, nach Deutschland  selbst einzudringen. Aufgrund von Nachschubschwierigkeiten und allgemeiner Erschöpfung machten die Angreifer aber vor dem Westwall  halt, um ihren Nachschub zu reorganisieren und sich neu aufzustellen. Obwohl der Westwall veraltet und desarmiert war, hatte die deutsche Propaganda ihre Wirkung dennoch nicht verfehlt, und die Alliierten hielten ihn für ein ernsthaftes Hindernis, dem sie nicht unvorbereitet entgegentreten wollten. Die Deutschen nutzten diese Atempause und reorganisierten ihre angeschlagenen Armeen, auch wurde die Bevölkerung zum Schanzen ausgehoben und der Westwall notdürftig mit Beutewaffen armiert. Im Rücken der Befestigungslinie entstand ein Netzwerk aus Schützen- und Panzergräben sowie ausgedehnten Minenfeldern, welche die zahlreichen behelfsmässig befestigten Ortschaften miteinander verbanden. Als die Alliierten ihren Vormarsch wieder aufnahmen, schlug ihnen heftiger Widerstand entgegen, und der bisher so schnelle Vorstoss erstickte im Grabenkrieg. Trotz der drückenden personellen und materiellen Überlegenheit und der fast totalen Luftherrschaft der Alliierten kam ihr Vormarsch zum Rhein nur äusserst langsam voran. Der deutsche Widerstand versteifte sich ganz besonders im Gebiet zwischen Geilenkirchen, Alsdorf  und Würselen westlich des Flusses Rur. Die frontal angreifenden Amerikaner rieben sich an den starken deutschen Stellungen im unwegsamen Bergland auf, wo sie ihre zahlenmässige Überlegenheit und Luftmacht kaum ausspielen konnten.

In den Mittagsstunden des 16. November zwischen 11:13 Uhr und 12:48 Uhr führten die amerikanischen Bomberverbände ihre Angriffe durch. 1204 schwere Bomber der 8. US Air Force belegten die Orte Eschweiler, Weisweiler und Langerwehe mit insgesamt 4120 Bomben, während 339 Jagdbomber der 9. US Air Force Hamich, Hürtgen und Gey mit 200 Tonnen Bomben attackierten. Währenddessen flogen 467 schwere Halifax- und Lancasterbomber schwere Angriffe gegen Düren und Jülich, 180 weitere britische Bomber trafen Heinsberg.

Besonders der Angriff auf Jülich war äusserst heftig, weil französische und amerikanische Truppenkarten den Ort nach wie vor als Festung auswiesen, was aber längst nicht mehr der Fall war – man hoffte, mit dem Angriff die vermeintlich sehr starken Verteidigungsstellungen zerschlagen zu können. Innerhalb des Zeitraums zwischen 15:28 Uhr und 15:50 Uhr fielen grosse Mengen Spreng- und Brandbomben auf die Stadt. Insgesamt 3994 Sprengbomben mit 1711 t Gewicht und 123.518 Brandbomben, abgeworfen einzeln oder in Behältern zu 106 Stück trafen Jülich. Die Stadt wurde bei dem Angriff völlig verwüstet und brannte mehrere Tage lang.


Das ausgebombte und zu 97% zerstörte Jülich, einer der Brennpunkte der Kämpfe

Bodenoffensive

Um 12:45 Uhr trat die 9. US-Armee nach 80 Minuten vorbereitenden Trommelfeuers aus 700 Geschützen zum Angriff an, unterstützt von starken Panzerverbänden. Trotz der gründlichen Vorbereitung, der durchtrennten Nachschublinien und der starken zahlenmässigen Überlegenheit der Angreifer hielten die schwachen deutschen Verbände trotz hoher Verluste im wesentlichen stand und gingen nur sehr widerstrebend und langsam zurück, die Alliierten gewannen nur äusserst zögerlich an Boden und erlitten schwere Verluste. Am ersten Tag kam die amerikanische Offensive kaum voran, die Deutschen hielten ihre Stellungen, wenn auch unter schweren Verlusten. Die Angreifer litten besonders unter nicht erkannten gegnerischen Minenfeldern, die bei Infanterie und Panzern hohe Verluste verursachten und den Vormarsch zusammenbrechen liessen. Nach zwei Tagen war der Vormarsch fast überall zum Stillstand gekommen, und der Grabenkrieg nahm seinen Fortgang.

Während der nächsten vier Wochen dauerten die heftigen Kämpfe auf dem Westufer der Rur an, und die Amerikaner rückten allmählich bis zum Fluss vor, wobei sie jedes Dorf und jede Ortschaft einzeln erobern mussten. Der einzige größere Erfolg war die Einnahme Linnichs. Im Zuge der Kämpfe um die Stadt kam es auch zu einer größeren Panzerschlacht, in der die Amerikaner das Feld behaupteten, aber zahlreiche Panzer verloren. Es gelang ihnen aber nicht, den Fluss zu überqueren und Brückenköpfe zu bilden, der hartnäckige Widerstand der eingegrabenen Deutschen, das heftige Artilleriefeuer sowie gelegentliche Luftangriffe deutscher Jagdbomber verhinderten dies. Schlechtes Wetter machte beiden Seiten zu schaffen, der Schlamm behinderte jede Bewegung und brachte den Verteidigern Vorteile; zudem trat der Fluss über die Ufer, was eine Querung erschwerte. Tiefhängende Wolken und Dauerregen machten die alliierte Luftüberlegenheit oft wertlos, obwohl die allgegenwärtigen Jagdbomber bei besserem Wetter jede Bewegung lähmten und hohe Verluste unter den Deutschen verursachten. Zur selben Zeit griffen die Amerikaner auch in Hürtgenwald wieder an, und durch das heftige Drängen des Gegners gegen die Westfront sah das deutsche Oberkommando die in Vorbereitung befindliche Ardennenoffensive in Gefahr: falls die Amerikaner die Rur überschritten oder die Eifel in ihre Gewalt brachten, setzten sich die Deutschen der Gefahr von Flankenangriffen aus, und der Angriffsplan wäre hinfällig geworden. Aus diesem Grund gab das Oberkommando Artillerie und Munition sowie einige Panzer- und Infanterieeinheiten aus den für die Offensive gesammelten Bereitstellungen frei, um die Rurfront um jeden Preis bis zum Beginn der Offensive zu halten. Trotz des Mangels an Munition, Soldaten und Treibstoff und der Tatsache, dass die an der Rur kämpfenden Einheiten bereits seit Monaten fast ohne Pause im Einsatz waren und stark ausgeblutet waren, wurde das taktische Ziel erreicht. Ein wesentlicher Faktor war dabei das schwere und gut gezielte Artilleriefeuer, das die Amerikaner wegen des schlechten Wetters nicht zum Schweigen bringen konnten und das ihre Angriffe oft im Keim erstickte. Dabei kamen auch in größerem Umfang Eisenbahngeschütze zum Einsatz. Kurz vor dem Beginn der Ardennenoffensive wurden viele Kampfeinheiten und Geschütze an die Angriffsfront gebracht, und als Unternehmen Wacht am Rhein am 16. Dezember begann, mussten die Amerikaner ihre Angriffe vorläufig einstellen, um den Überraschungsangriff aufzuhalten.

Insgesamt war die Operation Queen ein mehr oder weniger vollständiger Misserfolg. Trotz der sorgfältigen Vorbereitung gelang es den Alliierten nicht, die deutsche Verteidigung westlich der Rur entscheidend zu schlagen und Brückenköpfe für den Vormarsch zum Rhein zu bilden. Stattdessen wurden die Angreifer wie zuvor in verlustreiche Häuser- und Stellungskämpfe verwickelt und mussten um jeden Meter Boden ringen. Die beginnende Ardennenoffensive entlastete die deutschen Verteidiger und zwang die Amerikaner, ihre Offensive einzustellen. Erst im Februar 1945 gelang es ihnen, die Rur zu überqueren, dann allerdings war der Weg zum Rhein frei.

Der Begriff Rurfront bezeichnet die Frontlinie der Westfront in der Endphase des Zweiten Weltkrieges entlang des Flusses Rur, an der zwischen September 1944 und Februar 1945 heftige Kämpfe zwischen hauptsächlich amerikanischen und deutschen Einheiten stattfanden.

Räumliche Ausdehnung

Der Begriff Rurfront bezieht sich vor allem auf die östlich von Aachen und westlich des Flusses Rur gelegenen Ortschaften nördlich der Rurtalsperre und südlich Roermonds, aber auch auf die entlang der Rur gelegenen Ortschaften und Städte, die hauptsächliche Brennpunkte der Kämpfe waren. Hervorzuheben sind dabei ganz besonders die Städte Linnich, Jülich und Düren, die im Zuge der Kämpfe auf das Schwerste (über 90%) zerstört wurden, aber auch die Orte Vossenack und Schmidt in der Eifel sowie die Gegend um Heinsberg an der niederländischen Grenze.

Überquerung der Rur - Erbitterte Gefechte in Jülich, Düren und Linnich

Bereits im Januar 1945 bereinigte ein britischer Vorstoß (Operation Blackcock) den nördlichen Abschnitt der Rurfront, die sogenannte Heinsberger Tasche, und warf die deutschen Verteidiger auch hier auf das östliche Rurufer zurück. Der finale Vorstoß der Amerikaner ließ nicht lange auf sich warten. Bereits am 8. Februar begannen die Briten weiter nördlich ihren Vorstoß auf Wesel (Operation Veritable). Als erster amerikanischer Großverband war das V. US-Korps unter Generalmajor Ruebner am 4. Februar zum Angriff auf die Rurstaudämme angetreten. Die schwachen Truppen der 15. deutschen Armee konnten dem Ansturm nicht standhalten, und Generalfeldmarschall Model gab Befehl, die Rurtalsperre zu sprengen. Durch die Überflutung der Uferräume der Rur sollte der amerikanische Vormarsch gestoppt werden. Als die 9. Armee unter General Simpson die Rur am 9. Februar erreichte, konnte er die nun zum reißenden Fluss gewordene Rur nicht überschreiten. Er meldete ans Hauptquartier, dass er vor Ablauf von zwei Wochen die Rur nicht überschreiten könne und jeder Angriff in der Zwischenzeit sinnlos sei.

Erst am 15. Februar ließ sich ein Rückgang des Wasserpegels messen. Als der Pegel weitere fünf Tage lang gesunken war, fiel im Hauptquartier der 9. US Armee die Entscheidung: Am 23. Februar sollte der Übergang mit Sturmbooten und Behelfsbrücken gewagt werden. Vier amerikanische Korps traten zwischen Hilfarth und Düren zum Angriff an. Das 16. Korps südlich Hilfrath, das 11. Korps beiderseites von Linnich, das 19. Korps bei Jülich und das 7. Korps bei Düren. Die Reste der 15. deutschen Armee hatten sich in dem schweren Gelände an den Eifelstraßen im Raum Roermond bis südlich von Düren aufgestellt und erwarteten den Großangriff. Es waren allesamt schwache Verbände, weit unter Sollstärke, die trotzdem noch als Korps bezeichnet wurden. Dazu gehörte das 12. SS-Panzerkorps, das allerdings nur aus Heereseinheiten bestand, sowie das LXXXI., LXXIV. und das LXVII. Korps. Hitler hatte in einem Befehl vom 21. Januar den Befehlshabern erklären lassen, dass jede Aufgabe einer Stellung und jede Absetzbewegung rechtzeitig bei ihm gemeldet werde, und dass sein Gegenbefehl die vorderste Truppe noch rechtzeitig erreichen würde. Es wurde also entgegen den Ratschlägen der Offiziere, die eine elastische Verteidigung vorschlugen, der Befehl ausgegeben, die Stellung um jeden Preis zu halten. Außerdem wurde die Anlage rückwärtiger Verteidigungsstellungen verboten. Die Soldaten sollten wissen, dass hinter ihnen keine Sicherheit existierte. Schon am ersten Tage der Operation Grenade zeigte sich der Erfolg. General Simpson setzte auf einer Breite von 25 km sechs Divisionen ein. Die 84. und 102. Division des 11.Korps mussten bei Linich den Hauptangriff durchführen, weiterhin griffen die 35. und 79. Division des 16.Korps und die 29. und 30. Division des 19. Korps zum Angriff an. Ein gewaltiger Artillerieangriff leitete den Angriff ein. Die Amerikaner begannen unter dem Schutz von Artillerie, Mörser- und MG-Feuer den Übergang in Sturmbooten über den Fluss, in dem immer noch eine reißende Strömung herrschte. Viele Sturmboote kenterten. Die meisten Verluste erlitten die Amerikaner aber durch Minen und Sprengfallen wie die gefürchtete Schrapnellmine. So fielen von der 102. Division, die bei Linich gekämpft hatte, am ersten Tage 74 Soldaten, 493 wurden verwundet und 31 galten als vermisst.

Die deutsche Luftwaffe griff die amerikanischen Brückenköpfe bei Düren, Jülich und Linnich an. Dabei wurden auch die neuartigen Messerschmidt 262 eingesetzt, aber trotz der mindestens 97 Angriffe der Luftwaffe gelang es den amerikanischen Pionieren, Behelfsbrücken über die Rur zu schlagen. Noch um 6.00 Uhr des ersten Tages der Operation Grenade überschritten die ersten Soldaten eine Behelfsbrücke vor Jülich. In den Ruinen des völlig zerstörten Düren kam es zu erbitterten Kämpfen, zwei Kasernen wurden hart verteidigt. Um Mitternacht des nächsten Tages waren alle Widerstandsnester am Flussufer ausgehoben und die Amerikaner hatten drei Brücken über die Rur in ihrer Hand. Die 9. Armee hatte in den ersten beiden Tagen der Operation Grenade, bei eigenen Verlusten von weniger als 2000 Mann, 3000 deutsche Gefangene gemacht.